Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf e.V.

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Bewaffnung Artillerie

  Die Geschütze des Mittelalters, mit denen schwere Steinkugeln gegen die Mauern der belagerten Burgen geschossen wurden, waren noch nicht standardisiert und sehr aufwendig in der Herstellung und im Einsatz. Die Artillerie zu Beginn des 30 jährigen Krieges hatte sich schon weiterentwickelt. Ab 1550 wurde durch Karl V. das Kalibersystem eingeführt. Basilisk, Scharfmetze, Nachtigal und Katrtaune  waren schwere Geschütze. Die Kartaune war der gebräuchlichste Geschütztyp. Hier unterschied man ganze, halbe, Viertel oder Achtelkartaune. Entsprechend das Gewicht der verschossenen Kugel: 42, 24, 12 und 6 Pfund. Leichte Geschütze waren Notschlange, Schlange, Viertelschlange, Falkaune und das Falkonett.

 Des weiteren kamen Orgelgeschütze und Mörser zum Einsatz. Orgelgeschütze verschossen ein relativ kleines Kaliber in schneller Schußfolge. Es gab Orgelgeschütze mit bis zu 60  Läufen. Mörser zählen zu den Steilfeuergeschützen. Sie verschießen Kugeln von 15 bis fast 50 Pfund. Durch den indirekten Schuß war es möglich den Feind hinter hohen Mauern und ähnlichen Hindernissen zu bekämpfen.  

  Als völlig neuer Geschütztyp konnte man die Drehbüchse von Bergamin, 1624 in Venedig gebaut, bezeichnen. Die Drehbüchse war hauptsächlich ein  Verteidungungsgeschütz und konnte 10 Musketiere ersetzen. Jedoch war dieses Geschütz durch die lange Ladedauer auch wieder auf den Schutz der Musketiere angewiesen. Dieser Geschütztyp konnte sich nicht durchsetzen.

Bild von der Drehbüchse:

 Ein weiterer Geschütztyp des 16. Und 17. Jahrhunderts war das Falkonett. Mit diesen kleinen Geschützen im Kaliber bis 28mm konnten gezielte und präzise Schüsse abgegeben werden. Das Falkonett wurde zum Beispiel zum Ausschalten von feindlichen Geschützbedienungen verwendet.  

Viertel Kartaune

Bespanntes Geschütz

  Die steinernen Kugeln des Mittelalters wurden durch Kugeln aus Gußeisen, verschiedendlich durch solche aus Blei ersetzt. Zudem wurden Beutel, Säckchen oder Büchsen, die mit Steinen, Nägeln, Schrott oder verschiedenen kleineren Kugeln gefüllt waren, verschossen. Diese Geschosse wurden Kartätschen genannt. Im 30 jährigen Krieg kamen auch die ersten Geschosse mit einer Sprengstoffladung oder mit einem Brandsatz zum Einsatz. Gegen angreifende Infanterie oder Reiterei wurden Kettenkugeln eingesetzt. Diese mit einer Kette oder einer Stange mit Gelenk verbundene Kugeln gingen nach dem Abschuß in eine routierende Bewegung über und wirkten fürchterlich in den feindlichen Reihen. Zu sehen in dem Film "1612".

 Ein Geschütz zu befördern und in Stellung zu bringen erforderte einen sehr großen logistischen Aufwand. Um zum Beispiel eine Halbkartaune zu transportieren und feuerbereit aufzustellen, benötigte man 15 – 20 Knechte, verschiedene Transportwagen mit mehreren Dutzend Zugpferden, einen Hebekran, Winden und Schwanzzeug. Geschütze wurden entweder in Teile zerlegt und auf Transportwagen befördert oder als Ganzes von Pferden gezogen.

   Entsprechend dem Aufwand und der Gefährlichkeit der verwendeten Menge Schwarzpulver war die Feuerrate nicht sehr hoch. Die Schußfolge betrug ungefähr 50 Schuß pro Tag.

 Die Kanoniere mußten über spezielles Wissen und technisches Fertigkeiten verfügen.  Dementsprechend hatten sie gegenüber den anderen Soldaten verschiedene Privilegien. 

 Ein einmal in Stellung gebrachtes Geschütz konnte während der gesamten Schlacht auch nicht mehr bewegt werden, deshalb der Begriff Positionsartillerie für die im 30 jährigen Krieg in einer Feldschlacht eingesetzten schweren Geschütze.  Das Gewicht der Geschütze machte eine Bewegung während der Schlacht fast unmöglich.

  Der Einsatz der Geschütze war zumeist auf die Anfangsphase der Schlacht begrenzt. Hier galt es den Feind schon in der Bereitstellung zu beschädigen. Begann der Angriff schossen die Geschütze noch in die angreifenden feindlichen Reihen. Wenn sich der Abstand der Parteien verkleinert hat, bestand die Aufgabe der Artillerie nur noch im Beschießen der feindlichen Stellungen und der Reserven.

  Wenn eine Armee die Schlacht verlor und das Feld räumen musste, fielen die Geschütze in die Hand des Feindes.

  Diese Umstände machten es erforderlich eine leichte, bewegliche Artillerie, die die Infanterie unmittelbar unterstützen konnte, zu schaffen.

  Der Schwedenkönig Gustaf II. Adolf setzte als erster leichte Geschütze ein, die von wenigen Soldaten bedient und bewegt werden konnten.  

Falkonett

Orgelgeschütz

Nachtigal

 

Für Interessierte - Geschütztypen des 17. Jahrhunderts

 

 

Geschütze der 3. Corporalschaft Feldartillerie

Die Compagnie des Kurbairischen Dragonerregimentes Johann Wolf hat eine Artilleriecorporalschaft mit einer leichten Feldartillerie. Diese besteht momentan aus einem kleinen Mörser, einem Falkonett und zwei leichten Feldgeschützen. Der Mörser und das Falkonett sind nach  historischem Vorbild von unseren Mitgliedern selbstgefertigt und weisen einen staatlichen Beschuß auf. Die Feldgeschütze wurden übernommen und von uns authentisch angepaßt. Die Geschützrohre wurde nach historischem Vorbild gegossen. Auch fertigen wir das nötige Zubehör (Pulverkisten, Richt- und Visiergerätschaften, Werkzeuge, etc.) zu unseren Geschützen nach historischen Vorbildern selber an.

 

"Lupus"

40mm stehender Mörser, sogenannter Feuerspucker. Eine bewegliche Unterstützungswaffe für den Kampf im Graben und bei Belagerungen.

Mörser sind seit der Belagerung von Konstantinopel im Jahre 1453 bekannt. Mit ihnen wurde bereits sehr früh begonnen, Sprenggeschosse zu verschießen, da das Steilfeuer geeignet ist, Ziele hinter Deckungen zu bekämpfen. Auch kann man mit einem Mörser die meist weniger geschützten Oberflächen von Zielen wirkungsvoll beschiesen.

Dieser Mörser wurde am 14.09.2013 während des Musketiertreffen 2013 auf den Namen "Lupus" getauft. Taufpate ist Hauptmann Martin Niederwolfsgruber von den Laizer Landsknechten.

Richtvorrichtung

Der Mörser mit eingesetzter Richtvorrichtung. Mit dieser Richtvorrichtung kann das Ziel anvisiert werden und es kann geprüft werden, ob das Geschütz gerade steht. Desweiteren kann der Schußwinkel nach Winkelgrad und so mit Hilfe von Ladetabellen die Schußweite eingestellt werden. Der kalibergroße Dorn wird in die Mündung des Mörser gesetzt und dann kann der Mörser eingerichtet werden. Nachbau nach einem historischen Stich, unten ein ähnliches Gerät.

Siehe auch "Näh- und Bastelstube".     

"Franziska"

30mm Falkonett. Leichtes Feldgeschütz für den gezielten Schuß. Im 30 jährigen Krieg dienten solche Geschütze um gezielt feindliche Geschützbedienungen oder Offiziere auszuschalten. Die Höheneinrichtung erfolgte mit einer Schraubspindel.

Dieses leichte Geschütz wurde nach einem Original im Bayrischen Armeemuseum komplett von unseren Mitgliedern hergestellt. Das Rohr weißt einen scharfen Beschuß vor.

Durch einen Schuß in den Oberschenkel aus einem solchen Falkonett wurde der kaiserliche Heerführer Tilly während der Schlacht bei Rain am Lech so stark verwundet, dass er daraufhin verstarb.

Rechts das Falkonett mit Besteck(Ladelöffel, Ladestock/Pulverstampfer, Wischer/Grätzer und Luntenhalter) und Pulverkiste.

Am 14.09.2013 wurde dieses Falkonett von Odette van Sande von der Bergschen Battery auf den Namen "Franziska" getauft.

 

Auch die Visiereinrichtung des Falkonettes wurde authentisch nachgefertigt. Links sehen Sie die Kimme mit der Vertiefung davor. Darin wurde mit etwas Wasser der gerade Stand des Geschützes kontrolliert. Rechts das Korn vor der Mündung.

 

"Antonia"

35mm leichtes Feldgeschütz, wie es zuerst von der schwedischen Armee und dann auch von Kaiserlichen/Bayerischen Truppen als bewegliche und effektive Artillerie auf dem Schlachtfeld zum Einsatz kam. Dieses Geschütz weist ein nach originalem Vorbild nachgegossenes Rohr auf einer massiven  Lafette auf. Maßgeblich bei der Anschaffung und dem Umbau des Geschützes war für uns, ein authentisches Geschütz nach Originalvorbild ohne Schnörksel und Verzierungen, das auch leicht zu befördern ist, in der Einheit zum Einsatz zu bringen.

Die Taufe des Geschützes erfolgt während des Musketiertreffen 2015 durch die Taufpatin Antonia Sommer.

  Das Geschütz bei der Vorstellung und beim Probeschießen während des Drills am 28.02.2015.

 

Leichtes Feldgeschütz "Diana"

40mm leichtes Feldgeschütz. Als zweites leichtes Feldgeschütz hat diese Kanone die selbe Konfiguration wie das oben beschriebene leichte Feldgeschütz "Antonia". Das Geschütz wurde im Frühjahr 2016 angeschaft und während des Treffen der Historischen Gruppen 2016 auf den Namen "Diana" getauft.

 

 

 

Das neue Geschütz "Diana" mit der Kanoniermannschaft Die Taufe des Geschützes durch die 2. Bürgermeisterin von Mömlingen

 

80mm Feldgeschütz. Geschütz unseres Ehrenbüchsenmeisters Bernhard. Dieses Geschütz weist ein Bronzerohr mit Stahlseele auf und ist einem Geschütz aus dem 30. jährigen Krieg authentisch nachgebaut und auf den Namen Pauline getauft.

 

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